Brand im Krefelder Zoo: Gorilla-Mann Massa erschossen: So kam es zu den dramatischen Ereignissen im Affenhaus

Die Ereignisse beim Brand im Krefelder Affenhaus in der Silvesternacht waren viel dramatischer als bisher bekannt. Das geht aus einem Bericht des nordrhein-westfälischen Innenministeriums hervor. Dort heißt es, dass Einsatzkräfte erst am Morgen, nachdem das Feuer gelöscht war, drei überlebende Menschenaffen entdeckten. Die drei Tiere, zwei weibliche Orang-Utans und das Gorillamännchen Massa, waren so schwer verletzt, dass sie eingeschläfert werden sollten. Da das verabreichte Narkotikum bei Massa nicht wirkte, tötete ein Polizist das leidende Tier mit mehreren Schüssen aus einer Maschinenpistole. Es war der Tiefpunkt einer traurigen Feuernacht. Die Einsatzkräfte mussten erleben, wie mehr als 30 Affen qualvoll zu Tode kamen, darunter fünf Orang-Utans, zwei Gorillas und ein Schimpanse. Sie verbrannten teilweise bis zur Unkenntlichkeit.Polizei: Das war sehr belastend für den KollegenPolizei und Zoo hatten sich unmittelbar nach der Katastrophe entschlossen, die Informationen über den Todesschuss zunächst geheimzuhalten, um „dem emotionalen Schutz der beteiligten Personen (Tierärztin, Tierpfleger, Polizei)“ zu gewährleisten, wie es in der gemeinsamen Pressemitteilung von Zoo und Polizei heißt. Der Bericht des Innenministeriums betont, dass die Einsatzkräfte und Mitarbeiter des Zoos unter einer „immensen“ psychischen Belastung standen. Einige Mitarbeiter wurden und werden psychologisch betreut. Der Polizist, der den Affen tötete, gehört dazu. „Das war sehr belastend für den Kollegen“, sagte eine Sprecherin der Polizei in Krefeld dem stern. „Es war ja auch kein alltäglicher Einsatz“, Dennoch sei der Kollege „voll dienstfähig“ wie die Sprecherin betonte.PAID STERN 2020_03 Massas Blick Fotografie 1540Wie es zu der Tötung der drei schwer verletzten Menschenaffen kam, zeichnet der Bericht nach. Um 0.42 Uhr ging die erste Meldung bei der Polizei ein. Als die Beamten am Affenhaus eintrafen, brannte es bereits vollständig („Vollbrand“) und die Feuerwehr beschränkte sich darauf, eine Ausbreitung der Flammen zu verhindern. Die Rettung der Tiere sei zu diesem Zeitpunkt aussichtslos gewesen, heißt es. Weil dort freilaufende Gorillas untergebracht waren, stellten sich einige Beamte schussbereit mit Maschinenpistolen auf, um jedes Risiko bei den Löscharbeiten zu vermeiden.Massa stirbt erst um 10.15 Uhr am NeujahrsmorgenGegen 1:30 in der Nacht traf die Tierärztin des Zoos mit einem Narkosegewehr ein. Zu diesem Zeitpunkt gingen die Einsatzkräfte allerdings davon aus, dass kein Affe das Inferno überlebt hat. Eine knappe Stunde später erhielt die Polizei erste Hinweise auf die Fluglaternen, die den Brand verursacht haben.Um 4:40 Uhr teilte die Feuerwehr mit, dass der Brand gelöscht ist. Den Einsatzkräften war es aber nicht möglich, das abgebrannte Affenhaus zu betreten. Nach zwei Stunden kamen entgegen aller Erwartung Geräusche aus dem Affenhaus. Mitarbeiter des Zoos teilten der Polizei mit, dass einige Tiere vielleicht überlebt hätten. Um sich Gewissheit zu verschaffen, betraten die Tierärztin und ein bewaffneter Polizist das Gebäude, um nach überlebenden Affen zu suchen. Zunächst entdeckten sie zwei Schimpansen, die tatsächlich gerettet werden konnten.Gegen 8:00 Uhr morgens fanden die Einsatzkräfte schließlich die drei schwer verletzten Tiere. Die Verbrennungen waren so stark, dass sie keine Überlebenschance hatten. Die Tierärztin schläferte die Orang-Utan-Weibchen mit einem Beruhigungsmittel ein. Bei Massa versagte das Narkotikum allerdings.In Absprache mit allen Beteiligten entschloss man sich, Massa zu erschießen, um das Tier von seinem Leiden zu erlösen. Um 10.15 Uhr tötete ein Beamter nach Freigabe durch den Einsatzleiter Massa mit mehreren Salven aus der Maschinenpistole.Quellen:  AFP, DPA, Bericht des NRW-Innenministeriums, Polizei Krefeld, „RP online“, „t-online“

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