Frankreich: Schülerin beleidigt den Islam – und muss nach Morddrohungen untertauchen

Ein Instagram-Video einer Schülerin sorgt gerade in Frankreich für viele Diskussionen – im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, wie weit man Religionen kritisieren darf und wo eine unzulässige Beleidigung beginnt. Die 16-jährige Mila hatte sich Mitte August in ihrer Instagram-Story über den Islam ausgelassen und dabei drastische Worte gewählt: „Im Koran steckt nur Hass, der Islam ist scheiße“, sagte sie unter anderem, es folgten weitere vulgäre Formulierungen. Das Video ist mittlerweile auf ihrem Account nicht mehr abrufbar, verbreitet sich aber über andere Netzwerke wie Twitter.Noktara19.30Wie die Schülerin es darstellt, kam es im Zuge einer Diskussion über arabische Frauen zu diesen Äußerungen. Mila hatte dieses Gespräch mit einer Freundin live auf Instagram gestreamt. Dann habe sich ein muslimischer Mann eingeschaltet und sie beschimpft. Mit dem Video, das nun für Ärger sorgt, wollte Mila darauf reagieren, erzählte sie der Zeitung „Liberation“. Seit dem Video in ihrer Instagram-Story wird die junge Frau im Internet übel beschimpft und erhält Morddrohungen. Der Fall zieht seine Kreise bis in das französische Kabinett.Justizministerin mit missverständlichem Statement zur ReligionskritikMomentan kann Mila nicht einmal zur Schule gehen, weil Hetzer die Adresse ihres Gymnasiums veröffentlichten. Online halten sich die Hashtags #JeSuisMila, mit denen User ihre Unterstützung bekunden, und #JeNeSuisMila die Waage. „Ich habe nur gesagt, dass ich den Islam nicht mag und dass es eine Religion des Hasses ist, mehr nicht“, verteidigte sich Mila im Gespräch mit der „Liberation“. Damit habe sie keinerlei politische Agenda verfolgt und auch niemanden persönlich beleidigen wollen.Doch die Worte lassen sich nicht mehr zurückholen, ganz Frankreich diskutiert mittlerweile darüber. Der Generaldelegierte des französischen Islamrates, Abdallah Zekri, zeigte Verständnis für die Drohungen gegen die Schülerin. „Das Mädchen weiß, was sie sagt. Sie hat die Religion beleidigt, jetzt muss sie die Folgen ihrer Worte tragen“, zitiert die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ aus einem Interview Zekris mit dem Radiosender Sud Radio. Sogar Justizministerin Nicole Belloubet äußerte sich kritisch. „Religionsbeleidigung ist eine Verletzung der Gewissensfreiheit“, sagte sie. Dafür bekam die Politikerin ihrerseits viel Gegenwind, ihr wurde vorgeworfen, die Meinungsfreiheit einschränken zu wollen. Belloubet musste zurückrudern und nannte ihre eigenen Aussagen „ungeschickt“.Ermittlungen eingestelltDie Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen „Anstiftung zum Hass gegenüber einer Gruppe wegen deren Zugehörigkeit zu einer Ethnie oder Religion“ wurden eingestellt. Mila, deren Nachname nicht öffentlich bekannt ist, habe durchaus eine Religion beleidigt, aber nicht deren Anhänger“, erklärt die französische Zeitung „Le Monde“. Dies sei nach französischem Gesetz zulässig. Die Ermittlungen wegen der Todesdrohungen gegen die Schülerin gehen indes weiter – ebenso wie die Diskussionen in der französischen Gesellschaft.Quellen:“Liberation“ 1 / „Liberation“ 2 / „Le Monde“ / „Frankfurter Allgemeine Zeitung“

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