Internet-Handel: Karton-Hersteller verrät: Darum stecken Online-Einkäufe so oft in viel zu großen Paketen

Online-Shopper kennen das Phänomen nur zu gut: Da bestellt man ein Kabel, eine SD-Karte oder einen neuen Scheibenwischer – und hätte im Lieferungskarton auch noch einen halben Einkaufswagen weiterer Waren unterbringen können. Die übergroßen Kartons nerven Kunden, Versanddienste und Entsorger. Und die Begründung dafür dürfte das kaum ändern.Sparen mit ÜbergrößenDenn hinter den riesigen Kartons steckt ein einfaches Kalkül: „Der Hintergrund ist, dass die Versandhändler möglichst wenige Verpackungsgrößen haben wollen“, erklärt Karl-Heinz Behrens, der Besitzer der Karton-Fabrik FaPack dem „RBB“. Der TV-Sender ist in seiner Sendung „Super.Markt“ dem Phänomen ausführlich auf den Grund gegangen. Was heißt eigentlich neu Händler_14.20Die Preise zwischen den Karton-Größen würden sich kaum unterscheiden, so Behrens. Vielmehr würde die geringe Auswahl wertvolle Zeit sparen. „Wenn der Verpacker zu lange Zeit hat, sich zu überlegen, welche Größe er nimmt, ist das teurer als die größere Schachtel.“ Begünstigt würde diese Rechnung auch durch eine Eigenheit der Paket-Dienste: Weil die ihre Versandkosten nach Gewicht statt nach Volumen berechnen, ist die Entscheidung der Händler für übergroße Kartons überhaupt erst rentabel. Absurdes Verpackungs-ChaosDie Verbraucher-Sendung hatte ihre Zuschauer gebeten, ihre Riesen-Kartons zu dokumentieren. Und die hatten viel zu zeigen. Der Höhepunkt: Ein Paar Scheibenwischer wurde in einem riesigen Karton verschickt, gemeinsam mit 75 Metern Papierrolle zum Auffüllen. +++ Lesen Sie auch: Ausgepackt und anprobiert: Was Händler uns wirklich als „neu“ verkaufen dürfen +++Zum Elektronik-Händler Konrad gab es besonders viele Zuschriften. Auf Anfrage gab der Händler auch zu, tatsächlich nur sechs Kartongrößen zu verwenden. „Dadurch kann es vorkommen, dass kleine Artikel in einem vergleichsweise großen Karton ausgeliefert werden“, so der Händler. In der Praxis landeten so einzelne Kleinstteile wie Schrauben in großen Kartons voller Styropor-Flocken bei Kunden.Sparen mit AlgorithmenDass es auch anders geht, zeigt ausgerechnet Amazon. Der Versand-Riese setzt nach eigenen Angaben mehr als 30 verschiedene Kartongrößen ein. Die zusätzlichen Lohnkosten spart man sich durch Automatisierung: Jedem Artikel wird beim ersten Versand im System nach Größe, Gewicht und Form ein passender Karton zugeordnet. Bei allen künftigen Bestellungen wird der dann automatisch empfohlen. Die Verpacker müssen also nur den richtigen greifen.Instagram Shopping 9.08Im Gespräch mit dem stern erklärte Amazons Deutschland-Chef Ralf Kleber. „Wir kennen die Größe des Kartons und wir kennen die Größe des Artikels und rechnen aus, wieviel Luft wir versenden. Das optimieren wir immer weiter, indem wir neue Verpackungsgrößen einführen. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, das spart auch Geld.“ Ein wichtiger Faktor dabei ist auch, das Amazon die Pakete immer öfter selbst ausliefert. Dass die Zuordnung trotzdem nicht immer perfekt funktioniert, zeigt das Beispiel des Scheibenwischers oben. Auch der stammte nämlich von Amazon. Eine Standard-Verpackung für Scheibenwischer gebe es nicht, so das Unternehmen. Zudem sei es nicht möglich, die Scheibenwischer nur in der Originalverpackung zu verschicken – weil das Versandlabel zu groß für die schlanken Kartons ist. Der Konzern legt aber Wert darauf, dass dieses Problem sich nicht auf andere Waren verallgemeinern lasse.Lieferwagen und Papiertonnen voller LuftDie Folgen der Sparmaßnahme sind weitreichend, nicht nur für die Kunden. Durch die leeren Kartons fahren manche Lieferwagen quasi mit Luft gefüllt herum. Auch die Papier-Tonne kommt an ihre Grenzen. Die Menge an Verpackungsmüll wächst laut der Wertstoff-Union Berlin ohnehin schon jährlich um zwei Prozent. Dass sich die Papiertonnen durch nicht zerkleinerte Kartons deutlich schneller füllen, verschärft die Situation dann noch.“Kleine Tonnen sind dann so mit Kartons gefüllt, das man nichts mehr reinkriegt. Stellt man eine große Tonne hin, werden auch die Kartons größer“, bemängeln die Entsorger von Berlin Recycling gegenüber dem „RBB“. „Wenn man da selber Hand anlegt und ein bisschen nachdrückt, ist jedem geholfen.“ Oder man bestellt eben weniger Kleinstwaren als Einzelpaket.Quelle: Super.Markt

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