Rechtsextremismus: Die AfD ist nur die unansehnliche Spitze eines sehr hässlichen Eisbergs

In vielen Reaktionen auf die Bluttat von Hanau wird die AfD für das Attentat mit verantwortlich gemacht. Sie schaffe mit ihrer Hetze in den Parlamenten des Landes, mit ihrer verrohten Sprache, mit Begriffen wie „Messermigration“ oder „Umvolkung“ das gesellschaftliche Klima, in dem Täter wie der von Hanau oder auch Halle animiert werden, ihre Pläne in die Tat umzusetzen. Grundsätzlich ist die These schwerlich von der Hand zu weisen. Worte wirken, Worte stacheln Menschen an. Dennoch greift diese Kritik aus mehreren Gründen zu kurz.Zunächst führt die These zu einem trügerischen Umkehrschluss. Schiebt man die Verantwortung auf die AfD, hieße das: Die rechtsextremen Täter von Halle oder Hanau wären ohne diese Partei ein produktiver oder zumindest friedlicher Teil unserer Gesellschaft. Liest man den Hass, die wirre Weltsicht dieser Männer in ihren irren Pamphleten, ist das nur sehr schwer vorstellbar. Dieser Wahnsinn hätte sich immer irgendwann Bahnen gebrochen.Das Problem ist größer und älter als die AfDWomit wir beim zweiten und größten Problem der These sind. Der Fingerzeig auf die AfD könnte zu der Annahme verleiten, Deutschland erlebe dieses Ausmaß an rechter Gewalt nur wegen oder seit dieser Partei. Doch das ist eine fatale Fehleinschätzung, vor allem, weil es das Problem kleiner macht als es ist. Tatsächlich ist es Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg nie gelungen, diesen rassistischen, extrem gewaltbereiten Bodensatz der Gesellschaft loszuwerden. Zahlreiche rechtsextreme Attentate und Anschläge in der Geschichte der Bundesrepublik treten dafür den traurigen Beweis an.In Deutschland müssen wir uns für rechten Terror ganz besonders schämen 12.25Noch eine kleine Anekdote zur Untermalung: Neulich sprachen zwei Freunde von mir über Rassismus in Deutschland. Der eine hat einen deutschen Pass, der andere nicht, beide sehen so aus, dass sie von manchen für „fremd“ gehalten werden. Beide erleben also den täglichen Rassismus in diesem Land aus erster Hand. Der eine setzte an, durch die AfD trauten sich die Leute nun wieder offen rassistisch zu sein und es sei so schlimm wie noch nie. Woraufhin der andere nur entgegnete: „Wir sind beide in den 90ern hier aufgewachsen, da wurdest du als Kanacke beschimpft und bespuckt. Wo ist das heute schlimmer?“Nun geht es beim besten Willen nicht darum, die heutigen Zustände oder die AfD schön zu reden. Im Gegenteil: Es ist alles viel schlimmer. Rassisten, Rechtsextremisten und Antisemiten existieren in beschämenden Massen und seit einer beschämend langen Zeit in Deutschland. Die AfD darf, soll und muss dafür kritisiert werden, dass ihre Politiker Hass säen, gegen Minderheiten hetzen, Tatsachen verdrehen oder völkischen Unsinn reden. Aber wir müssen uns klar machen: Die AfD ist nur die unansehnliche Spitze eines sehr hässlichen Eisbergs.

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