Silvesterknallerei: Böller-Boykott: Erste Super- und Baumärkte verkaufen kein Feuerwerk mehr

Die Bilder vom großen Silvesterfeuerwerk gehören zum Jahreswechsel wie knallende Sektkorken und „Dinner for One“. Doch in den letzten Jahren ist die Böllerei zunehmend in Verruf geraten. Viele Haustierbesitzer würden ihren tierischen Mitbewohnern den Stress schon lange gerne ersparen. Zudem wird die mit der Knallerei einhergehende Umweltverschmutzung ein immer größeres Thema. Und insbesondere in den großen Städten kommt dazu auch noch die Sicherheitsfrage.So verhängt die Stadt Hamburg wegen Sicherheitsbedenken in diesem Jahr ein Böllerverbot für Teile der Innenstadt, dem auch die Knallerei rund um die Binnenalster zum Opfer fallen wird. In München herrscht Feuerwerksverbot in der Altstadt und der Fußgängerzone. Und auch in Köln, Stuttgart und Hannover wird es böllerfreie Zonen in der Innenstadt geben. Edeka-Kaufleute und Baumärkte verbannen BöllerAuch im Einzelhandel ist die Anti-Böller-Front angekommen: Erste Einzelhändler verzichten in diesem Jahr bewusst auf das Geschäft mit der Knallerei. So haben etwa einige Edeka-Betreiber aus Norddeutschland in den letzten Tagen angekündigt, in diesem Jahr kein Feuerwerk zu verkaufen. „Unsere tierischen Mitglieder der Meyer‘s Familie haben einstimmig entschieden – dieses Jahr gibt es bei uns KEIN Feuerwerk zu kaufen!“, schrieb etwa Edeka Meyer’s aus Neumünster vor einigen Tagen auf Facebook und postete ein Bild von zwei Hunden vor ihrem Laden. „Wir möchten unseren, und allen anderen Fellnasen sowie der Umwelt etwas ‚zurück‘ geben und nicht noch mehr zu der enormen Feinstaubbelastung und massiver Verängstigung der Tiere beitragen.“ Auch Edeka-Kaufmann Marco Hauschildt, der zwei Märkte in Rendsburg und Flintbek betreibt, will keine Böller und Raketen verkaufen, wie die Schleswig-Holsteinische Landeszeitung berichtet. Der Baumarkt Werkers Welt aus Mölln hat schon vor Wochen öffentlichkeitswirksam einen Knallerverzicht verkündet. Im vergangenen Jahr hatte bereits ein Rewe aus der Eifel mit einem Feuerwerksverzicht für Aufsehen gesorgt. Hornbach streicht Feuerwerk ab 2020Sind das nur Einzelfälle oder ein Trend, der die ganze Branche erfasst? Der Handelsverband HDE erklärte auf Anfrage, man habe dazu noch „keine Erkenntnisse“. Und auch dem Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) ist nicht bekannt, ob eine größere Anzahl von Läden auf die Produkte seiner Mitglieder verzichtet. „Wir hoffen aber, dass wir die Zahlen des letzten Jahres wieder erreichen“, sagt VPI-Geschäftsführer Klaus Gotzen dem stern. Im vergangenen Jahr sind laut dem Feuerwerksverband 133 Millionen Euro mit der Knallerei umgesetzt worden, etwa so viel wie in den Vorjahren.Doch der Anti-Böller-Trend scheint sich weiter zu verstärken. Mit der Baumarktkette Hornbach hat nun sogar einer der ganz Großen der Branche einen Feuerwerksverzicht ab 2020 beschlossen. „Das heißt, einen Feuerwerksverkauf wird es 2019 zum letzten Mal in unseren Märkten geben“, erklärte ein Hornbach-Sprecher dem Portal idowa.de. Silvester-Feuerwerk in Hamburg_13.30Neben den Tierschützern machen vor allem Umweltschützer mobil. Laut Umweltbundesamt werden beim Jahreswechsel bundesweit rund 4500 Tonnen Feinstaub freigesetzt – rund ein Sechstel der im kompletten Jahr im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge. Die Deutsche Umwelthilfe fordert daher für 98 Städte, in denen die Grenzwerte für Feinstaub nicht eingehalten werden, ein Ende der privaten Knallerei. Sie unterstützt auch zahlreiche lokale Petitionen für ein örtliches Böllerverbot.Feuerwerks-Lobbyist Gotzen hält Verbote für falsch. Er beklagt, die Debatte um die Umweltbelastung werde nicht seriös geführt. Die Feinstaub- und CO2-Belastung durch Feuerwerk hält er im Vergleich zum sonstigen Ausstoß für gering. Und Verletzungen entstünden „meist durch erhöhten Alkoholkonsum und Prügeleien, nicht durch legales Feuerwerk“. Er hofft, dass die Tradition des Silvester-Feuerwerks fortbesteht.

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